Die Historie der Freiwilligen Feuerwehr Kleinmachnow

Rückwirkend kann nicht mehr exakt belegt werden, ab wann die frühere Gutsgemeinde der Hakes (Klein-Machnow) durch den angrenzenden Ort Stahnsdorf bei Bränden von dessen Freiwilliger Feuerwehr und Bürgern versorgt wurde.

25. April 1893 – Teltower Kreisblatt

1835-1845

Vermutlich wurde in Klein-Machnow unter der Herrschaft derer von Hake um die Jahre 1835-1845 ein so genanntes Spritzenhaus als Schuppen errichtet, der zur Unterstellung einer Feuerspritze und zum Trocknen der Schläuche diente.

„Teltow, 25. April 1893, 13.30 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr Teltow plötzlich alarmiert, da in Richtung nach Klein-Machnow sich eine bedeutende Rauchentwicklung, welche auf einen Waldbrand schließen ließ, bemerkbar machte. Nach Verlauf von kaum 10 Minuten rückte dann auch der Mannschaftswagen mit einer Besatzung von 15 Mann, Äxten und Spaten versehen, dahin ab. Es brannte dicht neben einer Schonung, bei der sogenannten Mittelmühe, hohes, dürres Schilfgras und Erlengebüsch, und konnte der Brand leicht größere Ausdehnung annehmen, wenn die Schonung ergriffen worden wäre. Ein Glück, dass der Wind im Tale das Feuer nicht schüren konnte. Nach kurzer Zeit war dasselbe vollständig gelöscht, ohne dass die Wehr eine größere Tätigkeit entfaltete, da auch von Machnow aus bereits Hilfe zur Stelle war.“

ab 1905

Spritzenhaus auf dem Gutshof

Handdruckspritze

Das erste Gerätehaus stand auf dem Gutshof Klein-Machnow gegenüber der Dorfkirche. Das Spritzenhaus, ein geräumiger Schuppen, wurde im Winter auch zum Trocknen der Wäsche benutzt. Um das Jahr 1907 wurde er durch ein in Stein gebautes, größeres Gebäude ersetzt, das auch – wie ehemals der Schuppen – als Leichenhalle diente. Es hatte einen ca. 10 m hohen Holzturm zum Trocknen der Schläuche. Eine schmale Kammer mit Zugang von der Rückseite des Hauses und einem hochliegenden, vergitterten Fenster war die Arrestzelle, welche bis 1932 genutzt wurde.

Das Gut schaffte sich eine eigene Handdruckspritze an, welche von Pferden gezogen und im Spritzenhaus stationiert wurde. Die Feuerspritze hatte zwei Bänke, die rechts und links parallel zu dem aus Messing gefertigten Wasserkessel angebracht waren. Sie boten den acht Männern Platz, die die Pumpe zu bedienen hatten. Der Kutscher saß auf dem erhöhten Kutschbock. Laut Bereitschaftsplan hatte jeder Pferdebesitzer für jeweils ca. 8 Tage die Zugpferde zu stellen, die in der Regel Gutspferde waren.

1906 kam der Teltower Kreisbrandinspektor Jakob in das Dorf und wollte die Feuerwehr inspizieren. „Na Förster, nun blasen Sie mal ins Horn!“ Förster Heinrich Funke schüttelte missmutig den Kopf. „Das hat jetzt keinen Zweck, die Leute sind jetzt auf dem Feld, da kommt keiner!“ So wurde der Alarm auf den Abend verschoben. Jung und Alt rannten zum Spritzenhaus. Die Spritze, sorgfältig geputzt, mit der Zahl 1840 an der Stirnseite, wurde hinaus geschoben und angespannt. Der aufmerksam beobachtende Brandinspektor wandte sich an Georg von Hake: „Die Zahl da, das ist wohl das Baujahr der Spritze?“ „Nein!“ bekam er als Antwort „1840 hat man sie zum letzten Mal gestrichen!“.

1932

Die Gründung der FF in Kleinmachnow ist am Dienstag, den 24. Mai 1932, durch Herrn Direktor Meißner im Versammlungsraum des Gasthauses Grothe verkündet und dem Ausschuss übertragen worden.

Das Gebäude stand links vom Bäkefluß neben der Bäkemühle auf der Stahnsdorfer Seite.

Gasthaus „Grothe“ (bis 1910 „Restaurant Türck“)

Auszug aus dem Zeitungsartikel vom 27. Mai 1932

Der „Verein Klein-Machnow“ befasste sich unter anderem auch mit Fragen zum Feuerlösch- und Sanitätswesen, worauf am 16. September 1932 eine Einladung an die Einwohner Klein-Machnow zur Gründungsversammlung vergeben wurde.

Von den seinerseits 3.000 Einwohnern Kleinmachnows meldeten sich 28 Bürgerinnen und Bürger für eine Freiwillige Feuerwehr. Als erster Leiter der Wehr wurde der Baumeister (Ingenieur) Gerhard Martens mit dem Dienstgrad eines Oberbrandmeisters eingesetzt. Es waren in erster Linie Arbeiter, Handwerker und Gewerbetreibende, die sich damals sofort freiwillig und ehrenamtlich für die Wehr zur Verfügung stellten.

Gerhard Martens

Nach der Gründung der FF Kleinmachnow im September 1932 in den letzten Jahren der Weimarer Republik existierte zunächst kein fester Standort. In der Nähe des Guts entwickelte sich die „Weinberg-Siedlung“ als neues Wohngebiet. Da Kleinmachnow schon zum damaligen Zeitpunkt durch den Teltowkanal zweigeteilt war, wurde die damals vorhandene Handdruckspritze auf dem südlich gelegenen Gelände um das Gut der von Hakes untergebracht, da dort auch die Bestallung der Pferde vorhanden war. Parallel wurde durch die Gemeindevertretung eine von Hand zu ziehende „Löschkarre“ (ein Handwagen) angeschafft, welche mit Schläuchen und Geräten auf der nördlichen Gemeindeseite des Teltowkanals stationiert war. Die Kameraden unterstützten beim Herrichten des „Karrens“ und errichteten einen Holzschuppen im Jägerstieg neben dem schon bestehenden evangelischen Gemeindehaus, der als Unterstellraum für das Fahrzeug diente. Es bestand jedoch keine Möglichkeit, die nassen Schläuche zu trocknen. Für den Aufbau der Wehr in der Eigenherdsiedlung erhielt die FF Kleinmachnow Unterstützung durch die Berliner Berufsfeuerwehr, durch den Brandmeister Hans Dümiche und den Leiter der Teltower Freiwilligen Feuerwehr Herrn Hartmann.

Holzschuppen im Jägerstieg

Handwagen „Löschkarre“ (Aufnahme 1935)

Im November 1932 war die neu gebildete Feuerwehr einsatzfähig.

Bei Ausbruch eines Brandes musste die Feuerwehr so schnell wie möglich alarmiert und die Bevölkerung vor der Gefahr gewarnt werden.

Bevor der technische Fortschritt Einzug hielt, erfolgte bis 1936 die Alarmierung mittels Signalhörnern (Schalmaie) durch die Frauen der Feuerwehrmänner im Schneeballsystem. An den betreffenden Häusern hingen rotumrandete Schilder (Feuermeldestelle). Festnetztelefone waren zu dieser Zeit eine Seltenheit unter den Einwohnern.

Alarmierung mit Signalhorn

1933-1938

Die Freiwillige Feuerwehr, die als „eingetragener Verein“ organisiert war, wurde 1933 durch die Nationalsozialisten aufgelöst. Sie richteten stattdessen eine Pflichtfeuerwehr ein, in der jeder männliche Einwohner der Gemeinde Dienst leisten musste.

Die sprunghafte Entwicklung Kleinmachnows zwang zu einer personellen Erweiterung der Wehr.

Ferner wurde es durch den ständigen Ausbau des Straßennetzes in Kleinmachnow notwendig, die Einsatzzeiten durch moderne Technik zu verkürzen.

Die Gemeinde stellte 1933 einen Lkw („Packard“) zur Verfügung, welcher durch die Kameraden zu einem Löschfahrzeug (LF) umgebaut wurde. Auf beiden Seiten hinter dem Fahrer und Beifahrer waren Sitzbänke für die Mannschaft angebracht.

Während der Fahrt hielten sich die Kameraden an Seilenden mit Knoten oder Schlaufen fest. Zwischen den Sitzbänken nahm ein Holzaufbau eine eingeschobene Tragkraftspritze (TS 8) mit 800 Liter/Minute Pumpenleistung sowie diverse Geräte und Armaturen auf. Außerdem waren an den Seiten je eine tragbare Schlauchhaspel montiert, das Standrohr mit Schlüssel und eine Kübelspritze links und rechts außen vor dem Fahrer- und Beifahrerabteil. Ein Metallgestell nahm eine Schieb-, Strick- und Hakenleiter auf. Der Wassertank musste damals mit Wassereimern befüllt werden.

Zur Unterbringung der Technik wurde im Jägerstieg der Schuppen genutzt.

Im Jahr 1935 erfolgte ein erneuter Umbau, indem der Innenaufbau sowie die Außensitzreihen entfernt und die Sitzbänke als Kästen mit Klappsitzen nach innen verlegt wurden. Dies führte zu mehr Sicherheit für die Feuerwehrleute. Zusätzlich wurde eine Anhängerkupplung angebaut.

Durch die Besiedlung nördlich des Kanals wurden vom Charlottenburger Wasserwerk beim Straßenbau die Wasserleitungen mit Hydranten ausgerüstet.

Die Kameraden der Wehr – Oktober 1933

Packard (Aufnahme 1935)

umgebauter Packard (Aufnahme 1939)

„Horch 8 Limousine“ (Aufnahme 1939)

Die Gemeinde schaffte 1934/35 eine „Horch 8 Limousine“ (der Markenname des 1904 im westsächsischen Zwickau gegründeten Luxusautomobilherstellers, Baujahr 1932) an, welche die Feuerwehrmänner umbauten.

LF 15 – Magirus Deutz (Aufnahme 1939)

1935 erfolgte die Beschaffung eines fabrikmäßig hergestellten Typen – Fahrzeugs LF 15.

Mit diesem Fahrzeug war die Feuerwehr Kleinmachnow allen seinerzeitigen Ansprüchen gewachsen.

Die immer weitere Vergrößerung des Ortes sowie die fortschreitende Aufrüstung der nationalsozialistischen Wehrmacht Hitler-Deutschlands brachte auch eine Reorganisation des Feuerlöschwesens – besonders auch mit dem Aufbau des Luftschutzes – mit sich. Unter diesem Gesichtspunkt ließ die Gemeinde am 4. März 1935 mit dem Bau eines Gerätehauses auf dem Gelände Uhlenhorst/Ecke Bannwald Nr. 1 mit zwei Fahrzeughallen, einem Mannschaftsraum (10,72 qm) sowie einer kleinen Kochnische, Schlauchtrockenturm und einer Wohnung im Obergeschoss neben dem Schlauchturm beginnen, um die Technik gesichert unterzubringen. Die bebaute Fläche betrug zu diesem Zeitpunkt 226,59 qm.

Die Einweihung fand am 8. Dezember 1935 statt. Zu diesem Zeitpunkt wurde gleichzeitig eine Sirene auf dem Trockenturm montiert, so dass erstmals eine zentrale Alarmierung erfolgen konnte.

Das Objekt im Bau und zur Fertigstellung (1936)

Der Bau des Schlauchtrockenturm und der Dienstwohnung

Gruppenbild zur Einweihungsfeier am 08. Dezember 1935

Sirene auf dem Schlauchtrockenturm

Zu Ausbildungszecken wurde der Schlauchturm für Haken-, Strick- und Schiebleiterübungen genutzt.

Zu dieser Zeit waren die Feuerwehren nach Gerätenormen ausgerüstet und dem Innenministerium unterstellt. Dadurch wiesen Uniformen und Fahrzeuge das Polizei-Emblem auf.

Die weiteren Kriegsvorbereitungen sowie der Kriegsausbruch stellten höchste Anforderungen an die Kameraden. Dabei wurden zahlreiche Einwohner zur Verstärkung der Wehr mit herangezogen.

Dieser Umstand führte ab dem 6. August 1937 zu einer Erweiterung des Feuerwehrdienstgebäudes auf sechs Garagentore. Das Bauwerk wurde 1938 fertig gestellt.

Übung mit dem „Packard“

Erweiterung der Fahrzeughalle (1938)

1939-1945 (2. Weltkrieg)

Appell zum „Tag der deutschen Polizei“ – 29. Januar 1939 mit Bürgermeister Engelbrecht

Am 22. Juli 1939 gehörten 27 Männer zur Wehr.

Viele Kameraden wurden zur Wehrmacht eingezogen und durch ältere wehrdienstuntaugliche Bürger ersetzt. Um den Brandschutz zu sichern, wurden junge Mädchen und Frauen für die Männer ab Herbst 1943 zum Dienst verpflichtet und eingesetzt. Mancher Kamerad der Wehr ließ sein Leben als Soldat oder war in Gefangenschaft.

Frauengruppe unter der Leitung von Max Guschigk (1944)

Das Gründungshaus der FF Kleinmachnow, das „Gasthaus Grothe“, wurde 1942 durch Bomben zerstört.

Von Januar 1943 bis März 1945 wurde Kleinmachnow immer wieder während der Luftangriffe der Alliierten auf die Reichshauptstadt Berlin in Mitleidenschaft gezogen. Durch die unmittelbare Nähe zu Berlin forderten die Luftangriffe auch von der Kleinmachnower Wehr ihren Tribut. Nördlich der Stammbahn, Benschallee/Ecke Potsdamer Chaussee, errichtete die Wehrmacht eine Außenstelle des Oberkommandos. Eine Vielzahl zweistöckiger Gebäude sowie ein Heizhaus wurden errichtet. Dazu die Bahnstrecke durch Zehlendorf-Wannsee und die Stammbahn. Auf dem Ackerland nördlich Wolfswerder etablierte sich unmittelbar an der Bahnstrecke eine schwere Flakbatterie. Im Kriegsverlauf noch eine Zweite nördlich der Bahnstrecke. Die anfliegenden Alliierten Verbände gerieten häufig in heftiges Flakfeuer dieser Batterien und manche Flugzeuge klinkten Spreng- und Brandbomben aus. Häuser in der Sommerfeldsiedlung und in dem Gebiet östlich der heutigen Karl-Marx-Straße wurden getroffen. Es gab Tote und Verletzte und manchmal kam es auch vor, dass Flugzeuge durch Flakgranaten getroffen im Ortsgebiet abstürzten. Spektakulär verlief ein Absturz zwischen Uhlenhorst und Jägerstieg, welcher erhebliche Schäden verursachte.

Eine originale Filmaufnahme von einem Flugzeugabsturz am 06. August 1944 ist im Besitz der Kleinmachnower Wehr.

15mal ließen die Bombenflugzeuge der britischen Luftwaffe (RAF) ihre todbringende Last über Kleinmachnow fallen. Dabei blieben die Schleuse und die „Neue Hakeburg“ verschont. Die „Alte Hakeburg“ und der größte Teil des alten Dorfkerns wurden jedoch zerstört. Das Herrenhaus der Hakes brannte ab, da das Feuer zu spät entdeckt wurde. Während dieser Zeit kam es zu unzähligen Einsätzen der örtlichen Feuerwehr. Oftmals hasteten die Kameraden von einem Einsatz zum anderen, ohne dass größere Ruhepausen möglich waren. Menschen mussten aus den zerstörten Häusern gerettet, Brände gelöscht und Trümmer beseitigt werden.

Auch das Boschwerk am Stahnsdorfer Damm sollte bombardiert werden. Durch seine verdeckte Lage im Waldgebiet irrten sich die Bomberbesatzungen und luden ihre tödliche Last über dem Gebiet des S-Bahnhofs im Ortsteil Dreilinden ab. Auf dem DLMG-Gelände befand sich das KZ-Außenlager Kleinmachnow, in dem bis zu 5.000 Menschen gearbeitet haben, davon etwa 2.700 Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. Etwa 800 Polen wurden während des Warschauer Aufstandes von 1944 verhaftet und in das Lager überstellt. Die Häftlinge mussten im Werk für die Flugzeugtechnik arbeiten. Durch diese Zielverwechslung gab es mehrere Tote und Verletzte.

Die drei Brücken (Rammrath-, Badewitz- und Schleusenbrücke) über den Teltowkanal wurden von der Wehrmacht gesprengt. Die Rote Armee rückte trotzdem ein.

Für den seit Mai 1944 fungierenden Feuerwehrführer Max Guschigk, seit 1939 in der Wehr als Mitglied, wurde es immer problematischer, die Einsätze zu koordinieren. Nach und nach verlor die Feuerwehr ihre vier Einsatzfahrzeuge sowie einen Teil der Löschtechnik.

In den letzten Kriegsmonaten waren schließlich keine funktionierenden Geräte mehr vorhanden. Die 47 Mitglieder der Feuerwehr, darunter 16 Frauen, liefen nun zu Fuß mit der Handdruckspritze oder mit dem Fahrrad zu den Einsätzen. Die Brände wurden mit Schaufeln und Hacken sowie Wassereimern bekämpft.

Das Gebäude blieb während des 2. Weltkrieges unversehrt, aber mit dem Einmarsch der Verbände der ruhmreichen „Roten Armee“ im April 1945 kam auch das Ende der Freiwilligen Feuerwehr. Alles, was an Technik für die Absetzbewegung der Wehrmacht nutzte, wurde beschlagnahmt oder entwendet. Den brauchbaren Rest nahm die Rote Armee Anfang Mai 1945 mit.

Alle Unterlagen über die Einsätze während des 2. Weltkrieges wurden leider vernichtet.

In den ersten Wochen des Friedens war Kleinmachnow ohne Feuerwehr. Als sich langsam Ruhe einstellte, die letzten Schüsse verklungen waren und die Menschen wieder Mut zum Neuanfang bekamen, erklärte sich Max Guschigk bereit, eine neue örtliche Feuerwehr aufzubauen.

Die Kriegsauswirkungen hatten für die FF Kleinmachnow zur Folge, dass ein Teil der Technik und der Geräte verstreut waren.

Einige Schläuche, Stand- und Strahlrohre fanden sich im Depot und im Kleinmachnower Gelände wieder. Darüber hinaus wurde in den örtlichen Betrieben weiteres Löschmaterial entdeckt. Zunächst beteiligten sich die Feuerwehrleute in zahllosen Stunden ihrer Freizeit an Aufräumarbeiten in Kleinmachnow. Ohne zu fragen, wer ihnen die persönliche Freizeit bezahlt, bauten die Kameraden aus Trümmerbeständen eine neue Freiwillige Feuerwehr auf. Im Feuerwehrdepot trug man dabei zahlreiche Teile von defekten Kraftfahrzeugen zusammen, für die es keine Besitzer mehr gab. Von der Schraube, über Lichtmaschinen, Autositze, Bereifung bis hin zu kompletten Motoren wurde alles eingesammelt.

Um die Einsatzbereitschaft der Wehr wieder herzustellen, gaben viele Bürger aus ihren privaten Beständen Gegenstände an die Feuerwehr ab. Als Uniformen wurden eingefärbte, ehemalige Wehrmachtsuniformen verwendet.

Eines der Löschfahrzeuge, ein alter amerikanischer „Paerd – Packard“, wurde im Straßengraben ohne Räder entdeckt. Ein weiteres Fahrzeug, ein „Phänomen – Granit“ der Post, wurde hergerichtet und mit den damaligen primitiven Mitteln zu einem Löschfahrzeug umgebaut. Um die Einsatzfähigkeit der neu entstandenen Wehr zu verbessern, wurde einem Kameraden die Genehmigung erteilt, auf dem Depot gleichzeitig ein Krankentransportfahrzeug zu stationieren. Dadurch wurde die Einsatz- und Alarmierungsfähigkeit der Wehr entscheidend verbessert.

Phänomen Granit (Aufnahme 1959)

Es entstand im Kleinmachnower Feuerwehrdepot ein regelrechtes Ersatzteillager. Dies sprach sich recht schnell in der Umgebung herum. Bald erschienen beim Feuerwehrführer einige recht zweifelhafte Personen, die sich als irgendwelche Vorgesetzte ausgegeben haben und die Herausgabe von Materialien aus dem Feuerwehrdepot forderten. Teilweise ging es dabei recht unsanft zu. Doch davon ließ sich Max Guschigk nicht beirren. Zusammen mit fünf Feuerwehrleuten begann er, aus den gesammelten Einzelteilen neue Ausrüstungsgegenstände für die Kleinmachnower Feuerwehr zusammenzubauen.

Kleinmachnow befand sich zu jener Zeit aus einem weiteren Grund in einer recht schwierigen Lage: Offiziell fiel die Gemeinde in den Zuständigkeitsbereich der Sowjets. Doch diese fühlten sich zunächst nicht verantwortlich. Für die Rote Armee endete die „Welt“ am Teltowkanal. Aber auch die Amerikaner in Berlin-Zehlendorf kümmerten sich nicht um Kleinmachnow, denn es gehörte ja nicht zu Berlin. Erst im Herbst 1945 bekannten sich die Sowjets zu ihrer Verantwortung für Kleinmachnow. Bis dahin war also die neue Ortsverwaltung auf sich allein gestellt. Alle Probleme mussten ohne die Hilfe der Siegermächte gelöst werden.

Im September 1945 hatte die Feuerwehr wieder drei Kraftfahrzeuge, und zwar einen Lkw als Mannschafts- und Gerätewagen, einen Lkw als kombinierter Mannschafts- und Gerätewagen und einen Krankentransportwagen. Ferner verfügte sie über einen zweirädrigen Karren, welcher früher als Luftschutzkarren diente. Alle Fahrzeuge waren voll funktionstüchtig, es fehlte lediglich der Treibstoff. Aber auch neue Löschgeräte baute Max Guschigk mit seinem Trupp. Letztendlich verfügte die Kleinmachnower Feuerwehr im September 1945 über mehr Technik als nötig war.

Im Vordergrund der Wehr stand in erster Linie die Hilfeleistung für die Bevölkerung. Die Wehr unterstützte die Bürger bei der Beseitigung von Kriegsschäden und half beim Aufbau der Produktionsstätten mit. Max Guschigk schlug der Gemeindeverwaltung von Kleinmachnow vor, die überzählige Technik zum Tausch gegen Lebensmittel zu nutzen. Die Gemeinde Kleinmachnow, in der 1945 keine größeren Landwirtschaftsbetriebe existierten, konnte sich nicht selbst versorgen. Man war auf die Hilfe der umliegenden Ortschaften angewiesen. Der Vorschlag des Feuerwehrführers fand daher die Zustimmung der Verwaltung. Im September 1945 organisierte Max Guschigk das erste „Geschäft“. Der Ortschaft Kerzendorf bei Ludwigsfelde wurde eine Motorspritze angeboten. Als Gegenleistung erhielten die Kleinmachnower 31 Zentner Kartoffeln und 3 Zentner Möhren. Mit feuerwehreigenem Lkw wurden die wertvollen Lebensmittel abgeholt. Auch danach konnten noch einige andere derartige „Geschäfte“ abgewickelt werden. Doch auch die eigentlichen Aufgaben mussten die Kleinmachnower Feuerwehrleute nach Ende des Krieges erfüllen.

Flüchtlinge aus den Ostgebieten und aus dem ausgebombten Berlin vergrößerten die Einwohnerzahl auf 16.000 Menschen.

Die ersten Jahre nach 1945 fuhr die Kleinmachnower Wehr viele Einsätze. Die noch vorhandenen und beschädigten Wohnhäuser waren völlig überbelegt und oft nur notdürftig instandgesetzt worden. Die Einwohner nutzten alle denkbaren Möglichkeiten zum Kochen und Heizen. Holz und Dachpappe waren die wichtigsten Baumaterialien in der Nachkriegszeit. Brände waren somit vorprogrammiert. Hinzu kamen noch die berüchtigten gusseisernen Kanonenöfen, welche bis zum Glühen angeheizt wurden. Viele Geräte, die zum Kochen und Heizen genutzt wurden, waren notdürftig zusammengeflickt, technisch überholt bzw. defekt. Die Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen konnte kaum beachtet werden, da andere Mittel nicht zur Verfügung standen. Durch fahrlässigen Umgang mit Heiz- bzw. Kochgeräten sowie offenem Feuer kam es oft zu Bränden, so dass die Feuerwehrleute alle Hände voll zu tun hatten.

Materialaufstellung der Freiwilligen Feuerwehr Kleinmachnow am 9. September 1945

Auch zum Polizeidienst zog man die Angehörigen der Kleinmachnower Feuerwehr heran. Streifendienst wurde in den Nachtstunden geleistet. Dazu durften die Feuerwehrleute sogar ihre alten Uniformen tragen, jedoch ohne Rang- und Ehrenzeichen.

Es war nicht leicht, neue Kameraden zu gewinnen, die mit leerem Magen bereit waren, ihre Gesundheit, vielleicht sogar ihr Leben, für den Schutz der Bürger einzusetzen.

Insgesamt hatte es die Gemeinde Kleinmachnow dem vorausschauenden und umsichtigen Handeln von Max Guschigk zu verdanken, dass schon unmittelbar nach Kriegsende eine gut organisierte Feuerwehr bereitstand, die man nicht nur zur Brandbekämpfung einsetzen konnte.

1946-1949

Nach und nach normalisierte sich das Leben, die Technik konnte verbessert und vervollständigt werden.

An einem Herbstabend 1946 geriet im Ortsteil Dreilinden eine Baracke in Brand. Beide Fahrzeuge sprangen aber nicht an, da die Starterbatterien nicht hielten. Der Feuerschein war vom Depot aus über den Bannwaldkiefern bereits zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt betrieb Max Guschigk ein privates Krankentransportunternehmen mit einem kleinen Pkw. Die Krankentrage wurde entfernt, die nötigen Löschgeräte aufgeladen und es fuhren 3 Kameraden nach Dreilinden. Bei Eintreffen am Einsatzort war die Baracke bereits eingefallen. Durch den Feuerschein alarmiert, schickte der Amerikaner ein Löschfahrzeug über die Waldwege. Für die Hilfsbereitschaft konnten sich die Kameraden nur noch bedanken.

Die DLMG-Baracke in Dreilinden (Siedlung) brannte am 15. Januar 1948 in der Aufbaugesellschaft Dreilinden.

Das Gelände der „Neuen Hakeburg“ war in den ersten Jahren nach 1945 von der Roten Armee besetzt. Die Zentralheizungen der Gebäude wurden mit Briketts und Rohbraunkohle betrieben. In den Sommermonaten gerieten die Kohlebunker mehrmals in Brand. Diese mussten unter schwerer körperlicher Arbeit gelöscht werden. Im Juni 1946 wurde die  Reichspost enteignet und die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) neuer Eigentümer der „Neuen Hakeburg“.

In den Jahren 1946-1947 leistete die Kleinmachnower Wehr weiter Polizeiarbeit im Ort. Häufig erfolgten Einbrüche in Häuser und Überfälle von Bürgern in der Dunkelheit auf der Straße. Mehrfach fuhr die Feuerwehr langsam durch die Straßen und erreichte damit eine geringe Reduzierung derartiger Ereignisse.

1947 wurde durch den Wehrleiter Guschigk ein Krankenwagen im Feuerwehrdepot untergestellt und für den Krankentransport in Verbindung mit einer Krankenschwester genutzt.

Aufnahme vom 01.09. 1947 mit den Fahrzeugen Phänomen Granit, Packard und Krankenwagen

Um die Wirksamkeit der Wehr weiter zu erhöhen, mussten viele Anstrengungen unternommen werden, u.a. auch  mehr Mitglieder für die Wehr zu gewinnen. So gehörten im Jahre 1948 insgesamt 25 Kameraden der Wehr an. Entsprechend den damaligen Anforderungen wurden dadurch gute Bedingungen für die Einsatzmöglichkeiten der Wehr geschaffen.

 

Die Orte Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow halfen sich in diesen Jahren gegenseitig und auch überregional.

In Erinnerung geblieben von Erzählungen her war ein Großbrand (Scheunenbrand) in Stahnsdorf gegenüber der Dorfkirche und 1949 ein Großbrand eines als Truppenübungsplatz genutzten Waldgebiets bei Luckenwalde.

Am 7. Oktober 1949 wurde die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet. Viele Kleinmachnower verließen den Ort, darunter auch einige Kameraden der Kleinmachnower Wehr.

Kameraden 1948